Scheidung - welche Kosten fallen an?  

Die Kosten einer Scheidung können leider nicht pauschal beziffert werden. Sie hängen nämlich im wesentlichen von vier Faktoren ab:

Wie viel verdienen die Parteien des Scheidungsverfahrens?
Haben Sie minderjährige Kinder?
Haben Sie nennenswertes Vermögen?
Sind sie sich über alle Dinge im wesentlichen einig oder muss über vieles gestritten werden?

Beispiel für ein Verfahren mit niedrigen Kosten

Damit sie einen Anhaltspunkt haben, hier ein Rechenbeispiel für ein typisches Scheidungsverfahren:
Ein Ehepaar mit zwei minderjährigen Kindern will sich scheiden lassen. Beide sind sich einig und haben alle mit der Scheidung zusammenhängenden Fragen selbst geklärt. Es wird also über nichts gestritten. Der Mann verdient netto Euro 2000,00, die Frau, weil sie sich zum Teil noch um die Kinder kümmern muss, netto Euro 600,00. Nennenswertes Vermögen haben sie nicht. Sie haben beide auch nur eine gesetzliche und keine betriebliche oder private Altersvorsorge

Um herauszufinden, was die Scheidung in dieses Ehepaars kostet, muss man sich zunächst darüber klar werden, wie hoch der Gegenstandswert des Verfahrens ist. Er errechnet sich wie folgt:

Einkommen des Mannes
Euro 2000,00
Einkommen der Frau     
Euro   600,00
Einkommen beider Eheleute  
Euro 2600,00
abzüglich pauschaler Euro 250 für jedes Kind Euro   500,00
Bereinigtes Einkommen beider Eheleute 
Euro 2100,00
dreifaches Monats-netto beider Eheleute  
Euro 6300,00
Gegenstandswert für den Versorgungsausgleich Euro 1000,00
Streitwert insgesamt         

Euro 7300,00

 

Kosten für einen Anwalt, 2,5 Gebühren aus Euro
7300,00 inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer

 

Euro 1249,50

Gerichtskosten  
Euro  332,00
Gesamtkosten        Euro 1581,50

  
Nimmt nur einer von ihnen einen Anwalt, bleibt es bei diesem Gesamtkosten. Verabreden sie sich, den Anwalt gemeinschaftlich zu zahlen, belaufen sich die Kosten für jeden auf knapp Euro 800,00. Hat einer von beiden oder haben gar beide Anspruch auf Prozesskostenhilfe, können sich die Kosten nochmals erheblich reduzieren. Die Gerichtskosten fallen dann jedenfalls flach.

Beispiel für ein Verfahren mit höheren Kosten

Abwandlung des Beispiels:
Der Mann hat außer der gesetzlichen Altersvorsorge auch noch Anspruch auf eine betriebliche Altersrente. Zwischen dem Ehepaar ist die Frage des Ehegattenunterhalts und des Kindesunterhalts streitig. Die Frau möchte für sich Ehegattenunterhalt in Höhe von Euro 300,00 und pro Kind Kindesunterhalt in Höhe von Euro 250,00. Die Frau möchte außerdem die alleinige elterliche Sorge für die Kinder. Der Mann widersetzt sich dem. Vor Gericht schließen die Parteien wegen des Unterhalts und der elterlichen Sorge einen Vergleich.
Jetzt sind erheblich mehr Dinge streitig, weshalb sich der Gegenstandswert des Verfahrens drastisch erhöht. Da gestritten wird, braucht nun jede Partei einen Anwalt, was die Anwaltskosten verdoppelt. Da man sich zum Schluss vergleicht, fallen bei jedem Anwalt zusätzliche Gebühren an. Die Sache sieht jetzt wie folgt aus:

Einkommen des Mannes    
Euro  2000,00
Einkommen der Frau      
Euro    600,00
Einkommen beider Eheleute     
Euro  2600,00
abzüglich pauschaler Euro 250 für jedes Kind
Euro    500,00
Bereinigtes Einkommen beider Eheleute 
Euro  2100,00
dreifaches Monats-netto beider Eheleute 
Euro  6300,00
Gegenstandswert für den Versorgungsausgleich
(wegen zusätzlicher Betriebsrente)  
Euro  2000,00
Gegenstandswert für den Unterhaltstreit:     
(300 + 250 + 250) x 12
Euro  9600,00
Gegenstandswert elterliche Sorge    
Euro    900,00
Streitwert insgesamt    Euro 18800,00

 

Kosten für einen Anwalt, 2,5 Gebühren aus Euro
18800,00 plus 1,0 Vergleichsgebühr aus Euro 10500,00   
inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer
Euro 2453,00
Kosten weiterer Anwalt      
Euro 2453,00
Gerichtskosten    
Euro  530,00
Gesamtkosten    
Euro 5436,50

Auch hier kann die Prozesskostenhilfe natürlich Einiges erleichtern. Aber man sieht: Streit kommt teuer.

Die Kosten des Verfahrens sind also eine entscheidende Vorfrage, die sie bei der Beratung mit ihrem Anwalt jedenfalls zuvor klären sollten, ebenso die Frage, ob sie Prozesskostenhilfe erhalten.

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